Tee
Ich spürte die schmerzende Hitze erst verzögert an meinen Fingerkuppen. Sie
schien sich, wie durch Watte gehemmt, nur langsam in mein Bewußtsein zu
schleichen.
Doch sie füllte die Leere in mir, löste das angestrengte Starren.
Ich stellte die Tasse hin. Der Pfefferminztee war noch sehr heiß.
- Ich sah kein Dampf. Es konnte wohl nur in meiner Empfindung so kalt sein.
Man mag sich das rascheln der Bäume vor meinem Fenster einbilden wollen, aber
es dringt durch das verschlossende Fenster nicht zu meinen Ohren. Nur das
Brummen des Lüfters und hin und wieder entferne Schritte in den Gängen
beweisen mir, dass die Zeit nicht still stehen kann.
Dieses Gebäude appelliert ganz unterschiedlich an den Betrachter, was wohl
schon so viele Physiker-Generationen gesehen haben muss.
Ästhetisch wirkt der 70ziger Jahre Bau wohl auf niemanden. Nicht einmal der
Architekt kann es gemocht haben. Und dennoch hat es seinen Reiz. Die
Unwirklichkeit dieses technokratischen Baus, umgeben von diesen vielen
kleinen - nun schon gelb geworden - Bäumen, hat für mich etwas anziehendes.
Und doch fühle ich mich unwohl. In jenem Augenblick.
Doch nun bin ich wieder im hier und jetzt. Das Gefühl verdrängent mache ich
mich wieder an die Arbeit. Es ist noch viel zu tun.
Ich trinke den Tee aus. Er ist kalt.
Und ich nehme mir vor, keinen Gedanken mehr an sie zu verschwenden.