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Ungewissheit

Ich habe seit längerer Zeit ein Gleichnis im Kopf. Da ich überzeugter Atheist bin, was sich meiner Meinung nach aus einem naturwissenschaftlichen Studium fast zwangsläufig bedingt, hat dies natürlich nichts mit kirchlichen Glauben zutun. Hier geht es mal wieder um das kitschige Thema Liebe. Aber dennoch bin ich in einer christlichen Kultur aufgewachsen, so dass ich diese Geschichte mit dem Samen kenne, der auf trockenes Land fällt und es eben unbewusst auf diese Deutung hingebogen habe.
Damals dachte ich schon, dass er auf trockenen Boden gefallen ist, als es mit ihr nichts wurde. Und dennoch sprieß er, was wohl einfach in der Energie lag, die in ihm verborgen war. Aber hatte dann doch innerlich gehofft, dass er rasch wieder eingehen solle damit es ein Ende hat. Unbeantwortete Liebe ist einfach kein traumhaftes Gefühl, sondern eben nur ein Traum, der einen dazu noch lähmt. Ein klammes unbehagliches Gefühl, welches einen einfach nicht loslässt.

Wahrscheinlich war es die Hoffnung auf Regen, die ihn länger leben ließ oder die starke Luftfeuchtigkeit ernährte ihn.

Der Regen ist nicht gekommen. - Die beiden sind immer noch zusammen und ich glaube, dass es bei ihnen recht gut läuft. Weswegen ich auch schon ein schlechtes Gewissen habe, da ich es mir hin und wieder wünsche. Oft wird mir dann klar, es kann nichts werden und es ist besser so, aber irgendwie überzeugt mich dieser Argumentation nicht völlig!

Die Luftfeuchtigkeit ist allerdings oft so stark, dass sich Tau an diesen kleinen Pflänzchen bildet. - Ihre Gegenwart elektrisiert mich eben immer noch sehr und der Beschluss gemeinsam einen Surfkurs zu belegen wird dies wohl weiterhin verstärken.
Oft sehe ich viele Gemeinsamkeiten und dann wieder völlig unterschiedliche Ausrichtungen in der Lebensplanung. Wobei mich diese Ausrichtungen teilweise sehr faszinieren.
In ihren Erzählungen, wo es meinst um das Auswandern in ihre zweite Heimat geht, scheint nie Platz für einen Menschen. Jedenfalls hört es sich so an, als wenn dieser Mann mitkommen oder eben allein zurückbleiben muss, was dann aus meiner Sicht doch nicht für eine wirkliche Liebe zwischen ihr und ihm spricht.
Vielleicht sucht sie ewig nach dem Mann, der ihre Kinder großziehen wird, ohne ihn jemals zu finden. Oder sie hat ihn schon längst und hat es noch nicht gemerkt. Vertrockne doch endlich!

Dieses Wochenende wird es in die Berge gehen und auch wenn bedauerlicherweise meine Kletterpartnerin abgesprungen ist, erwarte ich ein schönes Erlebnis. Leider wird mich dies wohl frauentechnisch nicht weiterbringen, weil die mitfahrenden Damen eher nicht meiner Erwartungen entsprechen.
Oder wird mich irgendwann meine pragmatische Weltsicht in Kombination mit der Angst vor ewiger Einsamkeit einholen und mich bei einer Frau zugreifen lassen, wo es zwar harmoniert und ein liebevolles Beisammen ist, aber eben niemals dieses nicht in Worte fassbare Gefühl, was einige Menschen für sich entdecken dürfen und anderen für immer vorenthalten bleibt.

Der einzige Trost ist der, dass die wenigsten Menschen dieses Gefühl für immer tragen können.

So gehe ich meinen Weg nun erst einmal alleine weiter...

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