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Mit meiner Kletterbekanntschaft hat sich noch nichts weiter ergeben. Und sie gefällt mir jedes Mal mehr. Nicht vom äußerlichen Erscheinen, welches gleich zu Anfang auf einem wohl kaum zu überbietenden Höhepunkt lag und liegt, sondern von ihrer Art und Auftreten.
Allerdings weiß ich immer noch viel zu wenig von ihr, was ich wohl nur mit einem Date ausräumen könnte. Aber davon schrecke ich noch zurück. Dabei spüre ich Unbehagen, weil ich natürlich nicht weiß was sie denkt und Angst vor einer Zurückweisung habe ich auch.
Eigentlich wollte sie sich per Mail bei mir melden, um mir ein paar Informationen über die Kletterausrüstung zukommen zulassen. Da sie nun gestern und heute keine Mail geschickt hat, scheint es wohl bei ihr keinen übertriebenen Handlungsbedarf zugeben, welchen ich zwar schwer deuten kann, aber im anderen Fall wohl eher positiv aufgenommen hätte.
Die Dame, die ich versuche noch immer aus meinem Herzen zu vertreiben und in deren Herzen ich nie vorgedrungen bin, hat irgendwie viele merkwürdige Themen in letzter Zeit angeschnitten.
Bei den letzten beiden Mensabesuchen sprach sie von ihrer Lebensplanung, die teilweise schon etwas naiv ist. Es kam zum Ausdruck, dass ihr zukünftiger Mann auch durchaus einige Ambitionen in der Viehzucht haben sollte. Andererseits sprach sie auch davon, dass sie eigentlich nicht plant lange in ihrem Beruf zu arbeiten, weil nach dem Studium sicherlich ihre biologische Uhr ticken würde und sie gerne Kinder großziehen möchte. Man möchte fast glauben ich hätte mir dies ausgedacht oder würde es zugespitzt formulieren, aber sie sprach von biologischer Uhr und auch von Aufgabe ihres Berufes zu Gunsten der Kinder, was bei einer angehenden Akademikerin wohl recht selten ist und mir sehr gefallen hat. Als sie dann aber vom Geld sprach, was ihr nach eigener Aussage wohl eher Nebensächlich wäre, meinte sie, dass es eben auch ein Handwerker sein könnte. Ihr jetziger Freund ist aber BWL-Student. Für mich waren diese Aussagen, wo jedes Mal von einem Mann gesprochen wurde, der nach der Formulierung ihrer Sätze zu urteilen, noch nicht in ihrem Leben aufgetaucht ist, sehr verwunderlich. Sie scheint der jetzigen Beziehung wohl doch keine große Halbwertszeit einzuräumen, was mich allerdings nicht in meinen Hoffnungen bestärkt, sondern eher erschreckt. Vielleicht ist es wirklich so, dass sie quasi am Ende einer Beziehung steht, wie sie es mir so vollmundig sagte, aber dieses Ende zieht sich solange hin, bis sie einen "besseren" gefunden hat. Ein Verhalten, was ich völlig inakzeptabel finde und in Kombination mir ihrem wohl auch sonst recht offenen Einstellung, mich ein ganzen Stück von ihr entfernt.
Auch mit meiner Vermutung über ihr vegetarisches Verhalten hatte ich nicht ganz Unrecht, wodurch wir auf die Viehzucht kamen. (Ich weiß gar nicht, ob ich diese Vermutung hier schon einmal geäußert hatte.)
Nur warum sagt sie mir solche Dinge? Warum erzählt sie mir, wie ihr zukünftiger Mann sein sollte? Fast als wolle sie wissen, ob ich es lächerlich finden würde oder mit Begeisterung aufspringen.
Von mir kam nichts! Ich wollte und will mir nicht in die Karten sehen lassen und ich hätte es als peinlich empfunden, wenn ich ihr gesagt hätte, dass mir einige ihrer Visionen gefallen.
Heute war sie dann noch im Fitnesscenter und wir unterhielten uns kurz. Sie machte mir diesmal einen etwas kurz angebunden Eindruck, weshalb ich auch das Gespräch nicht lange führte und mich dann zurückzog. Als sie raus ging war sie nicht allein, es war ihr Freund dabei. Obwohl sie nur ein paar Meter an mir vorbeiging, verabschiedete sie sich nicht, was ich etwas lächerlich fand, da wir uns beide seit der Party kennen und er wohl von der ganzen Thematik nichts weiß.
Aber es passt ins Bild. Sie erwähnt ihn mir gegenüber nie, nur auf direkte Nachfrage in Bezug auf ihre Urlaubsreise war dies einmal anders. Und umgekehrt wohl auch nicht.
Hört man nicht oft den Tenor von Frauen, dass Männer an nichts dauerhaften interessiert wären? Mir scheinen einige Frauen zu wankelmütig zu sein und meine These bestärkt sich. Je mehr Beziehen ein Mensch gehabt hat, desto leichter fällt es ihm sich wieder zu trennen. Warum sollte er auch anders verfahren?
Aber die meisten laufen wohl einer Illusion nach; einem perfekten Menschen ohne sich die Frage zustellen, ob sie sich nicht einfach selber etwas ändern sollten, selber etwas anpassungsfähiger sein sollten. Wie kann schon ein „Wir-Gefühl“ entstehen, wenn nur jeder an sicher selber denkt?
Meine Illusion wird weiterhin sein, dass ich irgendwann eine Frau finde, die meine tief gemeinte Liebe erwidern will und kann, was zu einer dauerhaften und tiefen Verbundenheit führt.
Da fällt mir ein Spruch vom Dalai Lama ein: Bedenke, dass die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt als braucht.
Welch wundervoller Gedanke! Aber aus soziologischer Sicht wohl ein unerfüllbarer Wunsch, der dem Weltfrieden gleichkommt, der realisiert wird, weil sich niemand mehr hasst. Oder doch?