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Bus

Langsam kann ich die langen Busfahrten zur Uni nicht mehr ertragen. Immerhin muss ich dies auch nicht mehr lange, weil ich bald umziehe und es damit ein Ende nehmen wird.
Was wird mir dann fehlen? Vermutlich Nichts! Die damit gewonnene Zeit werde ich für zweckmäßigere Aktivitäten wieder opfern und mich darüber freuen.
Letztens saß ich mal wieder im Bus und hatte mich in meinem Buch vertieft. Da mir auch noch leise Musik durch die Kopfhörer ins Ohr rieselte, dachte ich eigentlich, ich wäre von der Außenwelt für diese kleine Reise abgeschottet.
Aber dann vernahm ich mit meiner Nase einen Duft, der typisch für diese Stadt; typisch für diese Busfahrten geworden ist, den Geruch von Bier.
Meistens stammt er aus Plastikflaschen, was ich bei Bier besonders verachtenswert finde.
Wie sieht die Welt dieser Menschen aus, die am frühen Nachmittag das Bedürfnis verspüren in aller Öffentlichkeit ein Bier zutrinken?
Die verstohlenen Blicke der anderen Fahrgäste, welche sich schnell abwenden, wenn sie glauben Aufmerksamkeit erregt zu haben. Sie setzen sich mitleidigen, angewiderten, angeekelten oder auch einfach nur strafenden Blicken aus, ohne sich etwas anmerken zulassen. Oder merken sie es nicht mehr? Sind sie schon so abgestumpft?
Meist ist der erste Blick noch bewusst flüchtig, um nicht neugierig zu wirken. Aber schon bei der kleinsten Bewegung sausen die Blicke zurück auf den Trinker. Scheinbar nur von den Fahrgästen, welche seltener mit dem Bus unterwegs sind, da die anderen dieses Bild wohl schon kennen und deswegen einfach kein so großes Interesse mehr verspüren.
Ist dies das unverkennbare Großstadt-Flair? Die pöbelnden Kinder auf der Straße, die besinnungslos besoffenen Penner an den Bushaltestellen, bei denen man den Verdacht nicht unterdrücken kann, dass sie selbst im nüchternen Zustand nicht mehr klar sprechen könnten oder es noch nie konnten.

Im Sommer war einer von ihnen umgekippt und die Pisse rinn ihm aus der Hose und lief langsam die Straße runter. Die Passanten waren schockiert, aber sie mussten sich nicht erst der Gewissensfrage stellen, ob sie helfen sollten oder sogar müssten, da ihm recht flink von zwei seiner Kumpane geholfen wurde.

Dieser neben einem Mülleimer liegende Mann hat bei mir tiefes Mitleid ausgelöst, was ich nicht mit einem dieser Sätze vertreibe, die besagen er wäre selber an seinem Schicksal schuld. Wie kann man auch an seinem Schicksal schuld sein? Natürlich glaube ich nicht an solche übernatürlichen Dinge, aber ich glaube an die vielen Weggabeln, an denen man sich auf seinem Lebensweg doch verirren kann. Auch wenn es so scheint, als wären es immer dieselben Charaktere, die in die falsche Richtung laufen.

Irgendwie, Irgendwo und Irgendwann müssen sie entstanden sein. Diese Persönlichkeiten haben sich gebildet und hatten vielleicht niemals eine reelle Chance gehabt einen anderen Weg zugehen. Sei es durch das Elternhaus, was ihnen niemals gezeigt hat, dass es sich lohnt hartnäckig an seinen Zielen festzuhalten, oder seien es schwere Schicksalsschläge, die sie getroffen haben. – Da wären wir schon wieder bei Schicksal. Man kommt wohl ohne dieses Wort nicht aus!

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